….trifft 2….

(v.l.n.r. Christian Thielemann, Peggy Schmidt, Christoph Schlingensief, Anne Olschewski, CK)
Einen Tag bevor die ersten beiden „Trifft“-CDs mit Harald Schmidt (trifft Bach)  und Iris Berben (trifft Verdi)  auf den Markt kamen, gab es einen kurzen Verriss in der „Welt am Sonntag“. In dem Artikel wurde darauf hingewiesen, daß die Serie in einigen Monaten mit Christoph Schlingensief  (trifft Wagner) und Diedrich Diederichsen (trifft Schönberg)  fortgesetzt werden würde.

Bereits am Montag landete daraufhin im Deutsche Grammophon-Headquarter ein Fax des damaligen (nicht heutigen) Karajan-Anwalts aus Zürich. Dort hiess es sinngemäß, daß ja laufend sehr viel Unsinn in den Zeitungen geschrieben werden würde – besonders bei den sogenannten Sonntagszeitungen. Gleichwohl würde man aber der Deutschen Grammophon signalisieren , daß die Aussage ‚Event-Hascher Christoph Schlingensief…soll Mut machen auf Wagner‘ einigermassen beunruhigend sei, da speziell Karajan der wahrscheinlich prominenteste Wagner Dirigent sei und ein „Tandem“ Schlingensief/Wagner aus Karajan-Sicht reichlich problematisch erscheine.

In unserem Hause gingen die Alarmglocken an! Schlingensief hatte gerade für großes Aufsehen mit seiner ‚Hamlet‘ Aufführung in Zürich gesorgt: er holte dort Nazis auf die Bühne. Daraus entwickelte sich  bei einigen meiner Deutsche Grammophon-Kollegen die Meinung, Schlingensief sei ein Nazi und könne so der Marke „Deutsche Grammophon“ schaden. Die Kollegen, die die Verantwortung über die Repertoirenutzung hatten, zogen uns alle bereits freigegebenen Titel zurück.

Daraufhin setzten wir eine Ebene höher an und schalteten den Universal-Klassikweltchef ein.Er verstand unser Ansinnen und gab uns grünes Licht für die Veröffentlichung. Schlingensief hatte übrigens keine Karajan-Aufnahme vorgesehen.

Kurz vor unserer Veröffentlichung  fanden in Bayreuth die Wagner-Festspiele statt. Wie in jedem Jahr veranstaltete die Deutsche Grammophon den „Götterdämmerschoppen“ – einen PR-Event für Künstler, Journalisten und Kollegen. Exklusiv wurde die „Sudpfanne“ angemietet.

Die Sonne brannte, das deftige fränkische Büffett mundete, das Bier und der Wein stiegen zu Kopf. Zu Gast waren auch Christoph Schlingensief und der wohl profilierteste Wagner-Dirigent Christian Thielemann. Von einigen übervorsichtigen Kollegen wurde signalisiert, dass wir ein Zusammentreffen zwischen Thielemann und Schlingensief unter allen Umständen verhindern sollten. Mir war zwar nicht klar warum, aber vielleicht gab es da mal ein Problem zwischen den beiden? Deshalb schirmte ich Schlingensief den ganzen Nachmittag von Thielemann ab. Wenn sie sich zu nahe kamen, schob ich Christoph wieder beiseite. Einige Stunden und viele Drinks später wollte sich  Thielemann auf den Heimweg machen. Schlingensief sah, wie er gerade gehen wollte und  sprang auf Thielemann zu. Was passierte jetzt? Nutzt Schlingensief die Situation, um einen Eklat herbeizuführen? Keineswegs. Mit größtem gegenseitigen Respekt begrüßten sich die beiden Künstler.

Sie freundeten sich an. Thielemann wurde der Türöffner für Schlingensief im Hause Wagner. Schlingensief war mit dem Werk Wagners bestens vertraut, er war ein Theaterprofi und so lag es auf der Hand, daß Wolfgang Wagner ihn als Regisseur für den kommenden „Parsifal“ einlud.

Damit zog erstmalig ein popsozialisierter Künstler  in Bayreuth ein (ich hatte Schlingensief zum ersten Mal mit seiner  Popband „Vier Kaiserlein“ wahrgenommen. Sie spielten Anfang der 80er Jahre mit uns – der Band „Die Zimmermänner“  – bei einem Konzert in München). Das „Tandem“ Schlingensief/Wagner war nun in aller Munde!

Bei der Premiere spalteten sich die Meinungen in zwei Lager. Es gibt viele Wagnerianer, die seine Inszenierung für eine der besten der letzten Jahre empfanden. Auch für mich war es ein unvergessliches Erlebnis!

Kommentieren