Der Allesbrönner

Charlie Watts über Till Brönner.

2008 nahm Till Brönner das Album „Rio“ auf. In Rio de Janeiro und Los Angeles. Oft überlege ich beim Blick auf die Copacabana-Beach, wie ein Rio-Album klingen könnte, wenn Till ein paar Monate hier leben würde? Welche Gäste würde er einladen? Sicher würde er eine Rhythmusgruppe aus Rio anheuern (und nicht aus Sao Paulo). Und vielleicht auf Namen wie Annie Lennox, Aimee Mann oder Melody Gardot verzichten? Stattdessen Joao Donato, Ed Motta und Arto Lindsay einladen?

Egal. Die Tatsache, dass Till ein Album in Rio aufgenommen hat, ist allein schon bemerkenswert. Es war ein großes Risiko: er kannte weder Land noch Leute, und brasilianische Musik stand damals in Deutschland keineswegs hoch im Kurs. Till war und ist ein musikalischer Abenteurer.

Bereits sein Debütalbum „Generations of Jazz“ überraschte: gerade  22 Jahre alt, engagierte er den Bassisten Ray Brown und den Schlagzeuger Jeff Hamilton für die Aufnahme-Session. Zwei Legenden. Frech und selbstbewusst.

Der nächste Streich war „German Songs“. Till nahm gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie Orchester deutsche Songklassiker der 30er und 40er Jahre auf. Statt des „American Songbook“ lieber lokales Liedgut. Keine endlosen Solis, sondern klare Songstrukturen. Das war anders, einzigartig, mutig. Und wartet bis heute auf eine Fortsetzung.

Kurze Zeit später trafen wir uns erstmals in Münster. Götz Alsmann nahm das Album „Gestatten, Götz Alsmann“ auf. Till war Gastmusiker. Er deutete an, dass er mit seinem Label „Minor Music“ an Grenzen stößt.

Zunächst ging er jedoch zur BMG. Dort erschien 1997 das Album „Midnight“. Der Produzent Uwe Buschkötter griff tief in die Tasche und lud die teuersten US-Musiker zur Aufnahmesession ein: Michael Brecker, Dennis Chambers und Anthony Jackson.  „Midnight“ erinnerte an US-Jazz-Format-Radio-Alben. In den USA verkaufte dieser Sound  millionenfach. In Deutschland wollte das kein Mensch hören. Das Album floppte. BMG machte keinen guten Job.

Gut für uns: Till war offen für ein neues Zuhause. Er lud mich zu einem Konzert ins Hamburger „Lucky Strikes“ ein. Ein prolliger St. Pauli-Schuppen auf schick getrimmt.  Halbwelt in Cowboystiefeln traf auf blondierte Pinneberger Fönfrisuren. Die Bräute wippten entspannt zu Tills Eigenkompositionen und den Marvin Gaye-Covertiteln. „Der sieht gut aus“, war der Konsens der Damen. Das Konzert war nett und gefällig.  Doch Till konnte mehr. Den Beweis hatte er mit „German Songs“ erbracht.

Till passte in das Motor Music/Polygram Jazz Profil. Er war jung, spielte erstklassig, war charismatisch und hatte Style. Ganz nach dem Geschmack meines damaligen Chefs Tim Renner. Renner war ein großartiger Stratege. Sobald er eine Möglichkeit sah, ein Genre mit einem kantigen Künstler neu zu positionieren, war er Feuer und Flamme. Wir einigten uns mit Till auf eine längerfristige Zusammenarbeit.

Tills Verve/Motor Music/Polygram Debüt startete im ersten Gang. Ein Balladenalbum. „Das kann er doch noch als Jazz-Rentner machen“, dachte ich anfangs. Doch nachdem er das Album aufgenommen hatte, war ich von „Love“ überzeugt. Ein Evergreen.

Die Vermarktung eines Balladenalbums ist kein Selbstläufer. Damals wie heute wollten die relevanten Radioformate Hits, die nicht stören. Und die großen Fernseh-Formate internationale Superstars. Was sie als letztes wollten, waren Jazzballaden. Und als allerletztes  von einem deutschen Trompeter!

Doch Till hatte prominente Fürsprecher. Ihre Meinung hatte Gewicht. Empfehlungsmarketing. Wir fragten und bekamen prompt Antworten von Hildegard Knef, Peter Thomas und Roger Willemsen. Dann hörten wir von einem Fan aus England: Charlie Watts, Drummer der Rolling Stones.

Watts war parallel zum „Love“-Albumrelease mit den Stones auf Welttournee. Aktuelle Station: Deutschland. Sie wohnten 100 Meter von unserem damaligen Büro entfernt. Im Hotel Atlantik in Hamburg. Seit Tagen war es belagert von Fans, Journalisten, Paparazzi und Sicherheitspersonal. Über drei Kanäle schickte ich das neue Brönner-Album, einen Verve-Katalog und ein persönliches Anschreiben an ihn. „Dear Charlie, we heart that you like Till Brönner. Would you like to give us a comment about his new album? Please feel free to choose some CDs out of the Verve-catalogue!“

Kein Tag verging und das Telefon klingelte. Auf dem Display: die Nummer vom Atlantik. Mit den Endziffern: -306. Ich wusste, dass Charlie in Suite 306 residierte. Wahrscheinlich die persönliche Assistentin, die sich erst mal wichtig machen muss. Von wegen! Charlie himself war an der Strippe! Ein Stichwort genügte und es sprudelte aus ihm heraus: über „Swinging London“, Jazz, den Verve Katalog, seine Bewunderung für Till, Georgie Fame und die Clarke-Bolland Big Band. Eine leidenschaftliche Liebeserklärung an den Jazz vom Schlagzeuger der ältesten Rock’n Roll Band der Welt. Nach einer Stunde Monolog kam ich endlich auf die entscheidende Frage: ein Statement über Till? Of course! And I would love to have the Clarke-Bolland-CDs!

Glück gehabt – ich hatte noch zwei Clarke-Bolland-Big Band-CDs aus dem MPS-Katalog vorrätig, die ich am nächsten Morgen im Hotel Atlantik abgab. Kurz darauf klingelte erneut das Telefon. Here is Charlie Watts again. I want the Clarke-Bolland-CD with Stan Getz. „Change of Scenes“. Danach setzte er seine Geschichtsstunde fort.

Am nächsten Morgen lag im Rolling Stones-Tourbüro ein Umschlag von Charlie Watts für mich bereit. Er schrieb:“ For me, Till Bronner along with Gerald Persencer (sic!) are the best young trumpet player’s in the world today.“ Ab sofort kein schlechtes Wort mehr über die Rolling Stones!

Das Album kam gut an. Innerhalb von kurzer Zeit hatte „Love“ mehr verkauft als seine Vorgänger. Es blieb, wie alle Alben von Till, ein Dauerseller im Katalog.

Zu dieser Zeit wurde Till ständig mit Chet Baker verglichen. Beide sahen blendend aus und spielten Jazztrompete. Perfekt für Frauen- und Lifestylemagazine. Till mochte Chet. Aber es war Zeit, aus seinem Schatten herauszutreten. Meine Dance-Kollegin Katrin Erichsen dachte laut: wie wär’s mit einem Chet Baker-Tributalbum? Idee aufgegriffen und in die Tat umgesetzt.

Die Klammer des Albums „Chattin’ with Chet“ war die Auswahl und Thematik der Songs. Alle Titel hatten einen Bezug zu Chet. Doch Till stellte die Songs auf den Kopf.  Elektronische Sounds und Beats, Hiphop, Pop, Balladen und sein Debüt als Sänger. Kein „Jazz For Dinner“-Album. Es war gewagt. Die Reviews waren gut. Till positionierte sich als Jazzer, der auch Pop- und Dance versteht.

In dieser Zeit begann er seine Arbeit als Produzent anderer Künstler. Zunächst Hildegard Knef: „17 Millimeter“. Ihr letztes Werk. Ein großer Wurf. In den darauffolgenden Jahren  produzierte er Frank Chastenier, Manfred Krug, Mark Murphy, Helen Schneider und Thomas Quasthoff.

Eine Künstlerin stand ganz oben auf der Wunschliste: Caterina Valente. Der Weltstar aus Deutschland. Sie spielte mit Count Basie, Tom Jobim, Luis Bonfa, Tommy Dorsey, Dean Martin und Chet Baker. In Deutschland ist ihre Popularität auf „Ganz Paris träumt von der Liebe“ reduziert. Wir träumten wiederum von einem modernen und jazzigen Valente-Chanson-Album. Regelmäßig rief ich bei ihrem Manager Rainer Ritter an. Kein Interesse, lautete die monotone Antwort. Doch dann meldete er sich eines Tages. Valente sei in Berlin und möchte uns treffen. Im West-Berliner „Kempinski-Hotel“.

Kein Termin mit alten Showlegenden ohne meinen Kollegen Matthias Künnecke. Deutschlands Easy-Listening und Entertainment-Experte Nr. 1. Er kennt jedes Album. Auch wenn es die Künstler bereits aus ihrer Biografie gestrichen haben. Wir setzten uns in den Salon des Kempinski-Hotels. Zufällig saß auch Mario Adorf dort. Valente betrat den Saal. Adorf stürzte auf sie zu und rief laut: Katrin! Er umarmte und küsste sie. Das war Samstagabend im ZDF – live.

Valente fühlte sich von unserem Interesse geschmeichelt. Doch sie deutete an, dass sie nicht mehr aufnehmen und auftreten wolle. Nun war es ihr Manager, der drängelte. Er arrangierte ein weiteres Treffen mit Valente, Brönner, Künnecke und mir. In Lugano, wo sie mittlerweile lebte. Treffpunkt: ihr Apartment. Mit Seeblick.

Es war ein sonniger Tag. Sie erzählte Anekdoten aus ihrer Karriere. Mit 6 Jahren stand sie erstmals auf der Bühne. Da gab es viel zu erzählen. Wir analysierten das internationale Showbiz und schwärmten von unseren Lieblingskomponisten. Zwischendurch griff sie zur Gitarre und zupfte ein paar Akkorde.

Sie lud uns zum Lunch bei ihrem Lieblingsitaliener ein. Wir waren völlig beseelt von ihrer Herzlichkeit und ihrem Charme. Als wir endlich über ihr kommendes Album sprechen wollten, lächelte sie, zeigte sie auf den See und sagte: „Meine Herren, soll ich mir das noch antun?“

Mit dem nächsten Album betrat Till Neuland. Soul-Jazz mit Hip Hop-Grooves. Kurze, kompakte Kompositionen mit eingängigen Themen. Ein knappes Jahr bastelte er mit dem Produzenten Samon Kawamura an „Blue Eyed Soul“. Ein Volltreffer. Das Album ist einzigartig und zeitlos. Es überraschte Kritiker und Publikum. 50.000 CDs waren in kurzer Zeit verkauft.

Doch nach neun Monaten Studioarbeit war Till ausgelaugt. Zurück zur Einfachheit war das Motto für das nächste Projekt. Einfache Kompositionen und Arrangements. Weniger Trompete, mehr Gesang. Live im Studio eingespielt. In T-Shirt und Jeans. „That Summer“ ist lässig. Manchmal erinnert es an Michael Franks. Ist Till ein guter Sänger oder nicht? Egal. Er singt. Und riskiert etwas. Wer macht das sonst heute noch?

Die Verkäufe von „That Summer“ blieben auf Vorgängerniveau. Doch die Erwartungen stiegen von Album zu Album. Alle – der Künstler, seine Manager, sein Anwalt, mein Chef und ich – sahen ihn auf dem Level von Grönemeyer, Rammstein oder Diana Krall. Marketinginvestitionen in sechsstelliger Höhe. Erst in DM und dann in Euro. Zu jeder neuen Veröffentlichung gab es wochenlange Diskussionen um die Hit-Single. Gesucht wurde der Titel, der stündlich auf allen Radiostationen, bei MTV und bei „Wetten, dass…?“ läuft. Es gab ihn nicht. Zumindest bis heute.

Verve-Album Nr. 5 gab Till in die Hände des Produzenten Larry Klein. In Los Angeles. Till spielte, Larry tüftelte. Am Ende entstand  „Oceana“.  Mein erstes Listening hatte ich, als das Album fertig aufgenommen und abgemischt war. Ein heikler Moment. Wochen und Monate hatte der Künstler mit Songwriting und der Produktion verbracht. Jeder Ton, jede Note, jeder Triangel-Schlag ist überlegt. Nun war ich der „erste“ Hörer. Der Moment des „Loslassens“. Ein Vertrauensbeweis. Kopfhörer auf. Gespannte Blicke von Till und seinen Managern. In meinen Gedanken kreisten noch die Probleme des Tages. Mails, Meetings, Mitarbeitergespräche. Was wollen sie hören? Spontane Begeisterung? Kritik? Jede Gesichtsregung wird verfolgt. Eine sofortige Stellungnahme wird erwartet. Tolle Songs, großartig gespielt, aber schwierige Reihenfolge, war meine erste Reaktion.  Unverständnis bei Künstler und Manager. Ein Eklat bahnte sich an. Das Tracklisting wurde daraufhin etwas umgestellt. Hat es den Erfolg des Albums beeinflusst? Vermutlich nicht. „Oceana“  wurde einige Jahre nach Veröffentlichung Tills erste goldene Schallplatte.

Dirk Rudolph wurde als Designer engagiert. Jim Rakete schoss das Coverfoto in Los Angeles. Schwarzweiß. Dirk unterlegte das Foto mit einem leichten Blauton. Alle waren begeistert. Nur Jim nicht. Auf der Releaseparty fand er deutliche Worte. Wahrscheinlich hatten wir ihn vor vollendete Tatsachen gestellt? Sorry, Jim. Er freute sich aber Jahre später über das goldene Album….

Nach „Oceana“ erfüllte sich Till den Wunsch, ein Weihnachtsalbum aufzunehmen. Weihnachtsalben verkaufen eigentlich immer. Und wenn sie dann noch gut und originell sind, laufen sie noch besser. Mittlerweile ist „The Christmas Album“ Tills zweite Goldene. Alles richtig gemacht!

Nicht jeder Musiker ist auch ein neugieriger Musikkonsument. Manche hören nur ihre eigenen Werke. Nicht so Till. Er liebt Frank Sinatra, Tom Jobim, Shirley Horn, Claus Ogerman, Freddie Hubbard. Und er liebt Bossa Nova. Oft beendeten wir unsere Abendessen mit dem Vorsatz, ein Album in Brasilien zu produzieren. 2008 war der perfekte Zeitpunkt. 50 Jahre Bossa Nova.

Gesagt – getan. Rio. Produzent: Larry Klein. Er bereitete alles vor: Studio, Musiker, Hotels. Till kam abgehetzt und ausgelaugt zur Aufnahme in Rio. Kaum gelandet, musste er ins Studio und hatte Film- und Fotoverpflichtungen. Sonnenbad an der Copacabana-Beach, Caipirinha in einem Botequim, Rendezvous mit dem Girl from Ipanema? Keine Zeit! Wir durften das Jubiläum nicht verpassen. Außerdem hatte Larry gerade Rückenwind: mit seiner Herbie Hancock-Produktion „The Joni Letters“ gewann er beim Grammy die Königsdisziplin „Album of the Year“.  Und 100.000 „units“ waren im Umsatzplan. Der Bonus stand auf dem Spiel!

Die Basic-Tracks wurden in Rio aufgenommen. Die Over-Dubs in L.A.. Larry inszenierte großes Kino mit einem Superstar-Aufgebot:  Annie Lennox, Milton Nascimento, Melody Gardot, Aimee Mann, Sergio Mendes, Kurt Elling und Larrys Frau Luciana Souza.

Der internationale Durchbruch war vorprogrammiert. Das Album wurde eine weltweite „Priorität“. Veröffentlichungspflicht in jedem Land.  Maßgeschneidert für den japanischen Markt. Die Japaner lieben Bossa Nova und sie lieben Till. Doch auch Wochen, nachdem sie das Album erhalten hatten, rührten sie sich nicht. Merkwürdig. Die Vermutung: es war ihnen zu wenig Bossa und zu viel Pop.

Mit Tills Manager und Bruder Pino reiste ich nach London und Paris. Kampagnenplanung vor Ort. Doch bei Universal Music in London erschienen die Chefs nicht wie verabredet zum Termin. Sie schickten kurzfristig einen Praktikanten. In Paris litt der Kollege bei unserem Eintreffen an Weltschmerz. Das Leben, der Musikmarkt und überhaupt. Album mal gehört? Nee, noch keine Zeit gehabt.

Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Die Zahlen stagnierten. Alle wurden unruhig. Till, sein Manager, sein Anwalt, mein Chef und ich. Live war er in den Großstädten gefragt, in der Provinz krähte kaum ein Hahn nach ihm.

Natürlich wollte ich das nicht wahrhaben. Till war für mich der Botschafter des guten Geschmacks. Ich machte den Test in der „Schwarzwaldstube“.  Bei Harald Wohlfahrt. Deutschlands Koch Nr. 1. Ich wettete mit meiner Frau, dass Wohlfahrt ein Fan von Till sein muss. Doch weder er, noch irgendjemand aus seinem Team hatten je den Namen Till Brönner gehört. Ich schickte ihm ein Paket mit allen CDs. Jetzt kennt er ihn wohl.

Wir realisierten, Till fehlte regelmäßige TV-Präsenz. Er war zwar gern gesehener Gast in allen Talk-Formaten der III. Programme. Doch  die großen Shows wie „Wetten, dass….?“ ignorierten ihn.

2010 änderte sich das: Till wurde als Juror der VOX-Casting-Show „X-Factor“ engagiert. Eine Win-Win-Situation: Till gab dem Format die nötige Glaubwürdigkeit und erhielt im Gegenzug die mediale Aufmerksamkeit, die ihm bislang verwehrt blieb.

Jetzt stand dem großen Durchbruch nichts mehr im Weg! „At The End Of The Day“ hiess das neue Album. Inklusive der Hit-Single „Summer Breeze“. Till singt. Pop-Vermarktung war gefragt. Kein Fall für die Jazzabteilung. Zumindest nach Ansicht des Künstlers und Managers. Till wechselte in die Popabteilung.

Parallel zu Album und TV-Aufschlag erschien das Buch „Talking Jazz“.  Till gibt einen Einblick in seinen künstlerischen Alltag. Sehr lesenswert.

Erstmals erreichte er die Single-Charts. Doch trotz dreimonatigem TV-, Plakatierungs- und PR-Marathon pendelten sich die Verkäufe auf dem gewohnten Level ein. Das Album war zwischen den Stühlen: weder konsequentes Pop-Album noch Jazz. Sein Markenzeichen als Juror war Jazztrompeter. Die Trompete hatte er jedoch bei diesem Album zu Hause gelassen.

Genug geredet – genug gesungen!  Das war die Devise nach „X-Factor“. Till spielte wieder. Und wie: Free-Jazz im Duo mit Schlagzeuger Günther „Baby“ Sommer, Straight-Ahead mit seiner Band oder mit den US-Jazzern wie Chuck Loeb, David Haynes, Eric Marienthal oder Klassik mit Sergej Nakariakov. Manchmal sind seine Shows spontan und improvisiert, manchmal inszeniert. Sie sind garantiert abwechslungsreich und kurzweilig.

Der Ausflug in die Popabteilung war nach „The End of the Day“ erst mal beendet. Jazz war wieder der Absender für das Album „Till Brönner“.

Nachdem ich Universal verlassen hatte, hat sich auch bei Till vieles verändert: erst trennte er sich von seinem langjährigen Manager: seinem Bruder Pino. Mit seinem Nachfolger arbeitete er nur wenige Wochen zusammen. Vor kurzem heuerte er den nächsten Manager an. Sein aktuelles Album „The Movie Album“ blieb – trotz massiver TV-Werbung – hinter den Verkaufserwartungen zurück. Offen ist, für welches Label Till künftig aufnehmen wird. Im vergangenen Oktober veröffentlichte er seinen ersten ersten Foto-Bildband  „Faces of Talent“.  Und er verlagerte seinen zweiten Wohnsitz nach Los Angeles.

Heute mache ich mich auf den Weg ins „Tempodrom“, wo Till  sein Berlin-Debüt mit dem „Till Brönner Orchestra“ geben wird. Was darf ich erwarten? Orchesterreferenzen gibt es viele: vom Sun Ra Archestra und dem Duke Ellington Orchestra, über das James Last Orchestra, dem Babelsberger Filmorchester hin zum Berliner Philharmonischen Orchester. Ich bin gespannt. Bei Brönner ist alles möglich!

2 Kommentare

  1. Christa Gruhler-Steier am

    Ich bin beeindruckt von Till Brönners Lebensweg und wünsche ihm weitertragende Kreativität sowie ein glücliches Leben über den Jazz hinaus! 28.01.2015
    Christa 1. Vors. der Freunde und Förderer der hrBigBand Frankfurt

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